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SN Inside - Die Woche in Schaumburg

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Liebe Leserinnen und Leser,
Corona hat viele Gesichter. Ja, das Sprachbild ist abgedroschen. Es hat sich in den vergangenen Monaten auf den Zustand von Branchen bezogen, die Unsicherheit der Vereine oder auf Covid-19-Erkrankte.
Aber auch das scheint eine Auswirkung der Pandemie zu sein: Immer mehr ältere Menschen fallen auf Trickbetrüger herein. Trauriger Höhepunkt war in dieser Woche eine Stadthägerin, die 150.000 Euro an Kriminelle verloren hat, die sich ihr Vertrauen als angebliche Polizisten und Staatsanwälte erschlichen haben. Die Täter gingen so perfide und professionell vor, dass die 73-Jährige ihnen ihr Hab und Gut übergab - in der Annahme Einbrecher könnten es ansonsten stehlen. Die Verzweiflung der Stadthägerin ist sicherlich groß. Darauf folgen erfahrungsgemäß auch eine große Scham und Verunsicherung.
Senioren, die auf Trickbetrüger hereinfallen, zweifeln an ihrer Selbstständigkeit und Beurteilungsgabe. Manche bringen Vorfälle wie diese noch nicht einmal zur Anzeige, weil sie sich schämen.
Wie rasant der Deliktsbereich “Straftat zum Nachteil älterer Menschen” bei der Polizei wächst, zeigt die aktuell veröffentlichte Kriminalitätsstatistik. Mit Blick auf die kommenden Monate heißt es in einer Mitteilung der Polizeiinspektion Nienburg/Schaumburg: “Ein Schwerpunkt wird bei der Bekämpfung der Straftaten zum Nachteil älterer Menschen gesetzt, hier insbesondere durch Weiterentwicklung der vorhandenen Präventionskonzepte, eine zielgerichtete Öffentlichkeitsarbeit sowie eine intensivere Zusammenarbeit mit den Bankinstituten.”
Obwohl Polizei, Medien und Verbände seit Jahren immer wieder Senioren warnen, kommt es zu den aus Sicht der Täter erfolgreichen Betrugsmaschen. Dass die Zahl seit Monaten ansteigt, mag auch daran liegen, dass Rentner aufgrund der Corona-Regeln vermehrt allein sind. Der Kontakt zu den Angehörigen ist auf ein Minimum reduziert. Die Kriminellen wittern ihre Chance.
Insofern können die beteiligten Protagonisten nicht häufig genug warnen und sensibilisieren. Auch Bankangestellte werden immer mehr geschult, um auf solch auffällige Geldabhebungen entsprechend zu reagieren und eine anschließende Übergabe an die Betrüger im Bestfall zu verhindern.
Das Netzwerk der Täter erstreckt sich häufig über mehrere Länder. Nicht selten sitzt der Strippenzieher gar nicht in Deutschland. Weiter geht es über Callcenter in der Türkei oder anderswo. Das zeigt auch der Fall, der kürzlich vor dem Landgericht Osnabrück verhandelt wurde. Dabei war auch eine Frau aus Rinteln betroffen, die so mehrere 10.000 Euro verloren hatte.
Die Strafen für die Verurteilten sollten bei solchen Taten im oberen Bereich des Strafmaßes angesetzt werden. Denn es geht bei den Opfern nicht nur um den finanziellen Verlust, sondern - und das ist viel schlimmer - den schwindenden Glauben an sich selbst.
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Diesen schönen Sonnenaufgang hat Birgit Wilkening im Landkreis festgehalten.
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