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Die Woche in Schaumburg

SN Inside - Die Woche in SchaumburgSN Inside - Die Woche in Schaumburg

Liebe Leserinnen und Leser,
am Donnerstag haben die Ferien begonnen. Doch statt des erwarteten Aufatmens bin ich beunruhigt. Sie vielleicht auch. Denn viele von uns hatten sicher einem entspannten Sommer und vielleicht mal wieder einer Reise ans Meer entgegen gefiebert. Doch nicht nur im Ausland steigen die Inzidenzwerte wieder, auch bei uns. Hatte sich Schaumburg doch schon fast der Null genähert, ist auch hier die Inzidenz an zwei Tagen schon wieder über 10 geklettert. Heute ist sie wieder auf 8,2 gesunken. Der Landkreis ist damit knapp an neuen Beschränkungen vorbeigeschrammt. In beliebten Urlaubsländern herrschen schon wieder ganz andere Zahlen, Inzidenzen von über 400: Deswegen hat die Bundesregierung beispielsweise Spanien und die Niederlande heute zu Hochinzidenzgebieten erklärt.
Auch in Deutschland scheinen solche Werte nicht unrealistisch zu sein. Gesundheitsminister Jens Spahn hat erklärt, sollten sich die Infiziertenzahlen wie aktuell alle zwölf Tage verdoppeln, wären wir im September bei einer Inzidenz von 400. Weil die Landesregierung einen neuen Lockdown fürchtet, soll der Stufenplan geändert werden. Damit wären höhere Grenzwerte möglich, damit Einschränkungen nicht zu früh greifen.
Ein solches Szenario vor Augen, ist es umso wichtiger, sich frühzeitig darüber Gedanken zu machen, wie nach den Ferien Präsenzunterricht an den Schulen sicher angeboten werden kann. Daumen drücken allein hilft da nicht. Während die Politik allerorten abwinkt, dass Luftfilter zu teuer seien, haben Eltern und die Schulleitung in Bad Nenndorf die Dinge einfach selbst in die Hand genommen. An der Berlin Schule lief zwei Monate lang ein Pilotprojekt, bei dem eine Klasse mit Trennwänden und Filtern ausgestattet worden war. Der Samtgemeinderat hat sich dann doch bereit erklärt, die Schule mit Filteranlagen auszustatten, allerdings erst im Herbst. Zu spät vielleicht.
Umso erstaunlicher finde ich die Impfmüdigkeit im Land. Und Menschen, die ihre Termine für die zweite Impfung einfach verstreichen lassen, wie DRK-Präsident Bernd Koller beklagte. Vorgestern habe ich in einer Zeitung die Überschrift gelesen: “Nach Corona…”. Nach Corona? Ich habe eher das Gefühl, es geht gerade wieder richtig los. Während die Delta-Variante noch in aller Munde ist, mittlerweile beträgt ihr Anteil in Deutschland mehr als 80 Prozent, kursiert in machen Regionen bereits Gamma.
Helfen kann da nur ein schnelleres Impftempo, dem angesichts zusätzlicher Lieferungen nichts im Wege stehen dürfte. Diese guten Nachrichten kamen heute aus dem Kreishaus: Die Warteliste ist abgearbeitet, jeder kann sich jetzt einen Termin holen. Es ist auch ein großes Glück, dass sich das Schaumburger Impfzentrum an den Sonder-Impfaktionen für Kinder und Jugendlichen beteiligt, sind es aktuell ja vor allem Menschen zwischen 15 und 34 Jahren, die sich anstecken. Die Nachfrage war so groß, dass das Land die Aktion weiterlaufen lässt. Heute dürfte die Europäische Arzneimittelbehörde EMA den Moderna-Impfstoff für 12- bis 17-Jährige zulassen.
Und endlich werden in Schaumburg auch die Menschen mit Migrationshintergrund in den Blick genommen, bei denen die Impfquote besonders gering ist. Aus Angst vielleicht oder Unwissenheit. Beides soll ihnen nun bei einer Info-Veranstaltung in Stadthagen genommen werden. Und ihr höre schon die Kritiker, die wieder etwas von einer “Extrawurst” erzählen. Nein, darum geht es nicht, sondern um die Sicherheit von uns allen. Das RKI rechnet nicht damit, dass die Herdenimmunität, für die rund 85 Prozent der Bevölkerung geimpft sein müsste, erreicht wird. Ich finde, Bundeskanzlerin Angela Merkel hat es bei ihrer letzten Sommerpressekonferenz gestern gut ausgedrückt: “Wir brauchen einander”.
In den Hintergrund gerückt ist die Pandemie für die Menschen in den Hochwasser-Gebieten im Westen Deutschlands, die ihr Hab und Gut verloren haben, manche von ihren Angehörige oder Freunde. Die Hilfsbereitschaft im Land war enorm, auch in Schaumburg haben Privatleute und Vereine zu Spendensammlungen aufgerufen. Ganze Lkw-Ladungen sind dabei zusammengekommen. Nicht so reibungslos ist leider die Hilfe vor Ort abgelaufen, wie Stefan Frühmark, Zugführer des THW Rinteln, berichtete. Es ist bitter und insbesonderes frustrierend für die Einsatzkräfte, dass sie unverrichteter Dinge wieder abrücken mussten, weil die Koordination vor Ort nicht funktioniert hat. Ich hoffe, dass die von Bund und Ländern angekündigten Soforthilfen tatsächlich schnell bei den Menschen ankommen.
Jetzt einen fließenden Übergang hinzubekommen, damit ich Innen ein schönes Wochenende wünschen kann - nach zugegebenermaßen nicht so rosigen Aussichten für die nächsten Sommerwochen - fällt mir schwer. Aber vielleicht sind ja einige Sportbegeisterte unter Ihnen. Ich gebe zu, dass ich - wie schon bei der EM - angesichts der Nachrichtenlage - die Olympischen Spiele, die heute offiziell in Tokio eröffnet werden, völlig verdrängt habe. Aber auch hier haben bisher weniger die Sportler die Schlagzeilen bestimmt, als die Zahl der Corona-Fälle im olympischen Dorf. Für die Athleten hoffe ich, dass sich das in den nächsten Wochen ändert.
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Zum Start in die Ferien haben sich die Schüler des Ratsgymnasiums mit einer lebendigen Botschaft verabschiedet.
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