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SN Inside - Die Woche in SchaumburgSN Inside - Die Woche in Schaumburg

Liebe Leserinnen und Leser,
wie gerne würde ich heute einmal nicht über das Coronavirus sprechen, aber nachdem die Redaktion gestern zahlreiche Anrufe verzweifelter Leser und empörter Angehöriger erreicht hat - Schuld war der pannenbehaftete Start der Terminvergabe zum Impfen - kann ich das Thema nicht ausklammern. Und ich fürchte, das wird sich die nächsten Monate kaum ändern.
Das Land hatte im Vorfeld bereits angekündigt, dass nur etwa 15.000 der 550.000 berechtigten über 80-Jährigen einen Termin erhalten werden. Unter dem Ansturm brach die Telefonleitung zusammen, die Internetseite war zeitweise nicht aufrufbar. Und für das Stadthäger Impfzentrum in der Festhalle, das seit dem 15. Dezember 2020 betriebsbereit ist, können noch gar keine Termine vereinbart werden. Anrufer, die tatsächlich mal durchgekommen sind, werden auf eine Warteliste gesetzt oder an andere Zentren verwiesen, etwa in Nienburg oder sogar Hamburg. Der Grund dafür ist so einfach wie bitter: fehlender Impfstoff. Gesundheitsminister Jens Spahn rechnet noch bis Anfang April mit diesem Mangel. Und gestern kam noch die Hiobsbotschaft, dass das Vakzin von Astrazeneca voraussichtlich von der Impfkommission nur für Menschen unter 65 Jahren empfohlen werden wird. Sollte dies so kommen, muss die Politik schnell reagieren und eine neue Impf-Reihenfolge festlegen.
Während sich die schlechten Nachrichten rund ums Impfen also mehren, sinken immerhin die Infektionszahlen und die Hoffnung auf eine Lockerung der Beschränkungen am 15. Februar steigt. Dennoch: Namhafte Virologen sind der Meinung, dass es ein einigermaßen normales Leben nicht vor Herbst geben wird. Wie es nach dem Lockdown weitergehen könnte, hat das Land jetzt mit einem erneuten Stufenplan vorgelegt - Stufenplan, erinnert Sie das auch ans vergangene Frühjahr? Für ein weitgehend freies Leben muss der Inzidenzwert unter 10 liegen. Da sind wir aktuell mit über 95 in Schaumburg und 79 in Niedersachsen noch weit entfernt.
Umso wichtiger ist es, die besonders gefährdeten Menschen zu schützen, bis die notwendige Durchimpfung der Bevölkerung von 70 Prozent erfolgt ist. Ein erster Schritt ist nun mit täglichen Schnelltests für Mitarbeiter in Alten- und Pflegeheimen erfolgt. Diese Regel gilt seit Montag. Um die Pfleger zu unterstützen, leistet die Bundeswehr Amtshilfe. Seit gestern sind 17 Soldaten in Altenheimen in Schaumburg im Einsatz. Die Politik muss mehr tun. Seit Anfang Januar herrscht Notbetrieb in den Kitas, doch in vielen Einrichtungen wird die Höchstbesetzung von 50 Prozent erreicht. Und die Erzieherinnen fühlen sich vergessen, setzen sie sich doch tagtäglich einem großen Risiko aus. Einen Abstand zu den Kindern können sie nicht halten und aus pädagogischen Gründen tragen sie keine Masken. Dennoch sind sie bei der Impf-Priorität erst in der dritten Gruppe. Schnelltests für sie? Fehlanzeige. Die Regierung müsste hier deutlich nachbessern und ihre Maßnahmen - von der Maskenpflicht zur Restaurant-Schließung - mehr erklären. Schließlich möchte niemand solche Corona-Krawalle, wie sie die Niederlande in dieser Woche erschüttert haben. Hunderte gewaltbereite Jugendliche zogen randalierend durch die Gegend.
Ein weiteres erschütterndes Ereignis sollte gestern mit dem Urteil eigentlich sein Ende finden: Der Mord an dem Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke. Das Oberlandesgericht Frankfurt/Main hat Stephan Ernst, der den tödlichen Schuss auf Lübcke gestanden hatte, zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Den Mitangeklagten Markus H. sprachen sie vom Hauptvorwurf der Beihilfe frei. Schwer zu ertragen für die Familie. Die Bundesanwaltschaft hat bereits angekündigt, in Revision gehen zu wollen. Es ist also noch nicht zu Ende.
Und eine ganz persönliche Sache, die mich diese Woche beschäftigt hat, war die Reaktion auf einen Artikel, mit der ich so nicht gerechnet hatte. Dabei ging es um das Wohnraumversorgungskonzept, an dem die Stadthäger Verwaltung aktuell arbeitet. In diesem Zusammenhang habe ich - wie jedes Jahr - die Einwohnerstatistik dargestellt. Schließlich muss man wissen, wie viele Menschen hier leben, um planen zu können, ob und welcher Wohnraum geschaffen werden soll. In der von mir dazu gestellten Tabelle hatte ich die Zu- und Wegzüge in den einzelnen Ortsteilen aufgeschlüsselt, und zwar nach Deutschen und Ausländern (also Menschen ohne deutschen Pass). Das gab Anlass zu Kritik. War ich da zu unsensibel vorgegangen? Oder wird die Gesellschaft immer kritischer? Schließlich mache ich diese Tabelle in genau dieser Art und Weise seit mittlerweile vier Jahren. Lange habe ich darüber nachgedacht und ich bleibe dabei, dass nichts an dieser Darstellung unwürdig oder gar menschenverachtend ist. Meiner Meinung nach ist es entscheidend für eine Stadt, zu wissen, wer in ihr lebt, um entsprechend der Bedürfnisse der Bürger zu handeln. Dies gilt nicht nur für die Versorgung mit entsprechendem Wohnraum, sondern beispielsweise auch mit der Einstellung einer Integrationsbeauftragten, Angeboten im Familienzentrum, Sprachkursen bei der VHS und vielem mehr. Ich bin froh, dass die Nöte der Menschen heute mehr im Fokus stehen - anders als in den siebziger Jahren, als mein Vater als Gastarbeiter nach Deutschland kam.
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Maria Schwarz hat uns ein Bild von ihrer Hochzeit aus dem vergangenen Jahr unter Corona-Bedingungen geschickt. Dieses und weitere Bilder finden Sie in einer Galerie auf sn-online.de.
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