SN Inside - Die Woche in Schaumburg

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Liebe Leserinnen und Leser,
weltweit gibt es an Schulen einen besorgniserregenden Trend: Das Nachahmen von Sequenzen aus der Netflix-Serie “Squid Game”. Auch an Schulen in Schaumburg spielen immer mehr Kinder und Jugendliche das bedenkliche Spiel nach. Schulleiter, Lehrer und auch Eltern schlagen Alarm - zurecht.
„Squid Game“ ist die bisher erfolgreichste Produktion des Streamingdienstes. Die südkoreanische Serie handelt von stark verschuldeten Menschen, die in Kinderspielen gegeneinander antreten, um einen hohen Geldbetrag zu gewinnen. Wer ein Spiel verliert, stirbt.
“Rotes Licht - grünes Licht” hallte es zuletzt auch über den Hof der Stadthäger Grundschulen. Die Kinder simulieren, wie am Ende eines verlorenen Spiels der Kontrahent erschossen wird. Und das, obwohl die Netflix-Serie erst ab 16 Jahren freigegeben ist.
Petra Ammon, Leiterin der Schule Am Sonnenbrink, berichtet, dass es in ihrer Einrichtung Schüler gibt, die „Squid Game“ bereits gesehen haben, oder über soziale Medien wie „YouTube“ und „Tiktok“ – ohne vorherige Altersabfrage – an Ausschnitte der Serie gelangen konnten. Die Folge: Kinder stellen sich - wie bei dem Vorbild - in einer Reihe auf und müssen Fragen beantworten. Wer falsch antwortet, wird symbolisch erschossen. Die Schüler würden die Gestik des Erschießens nachahmen und der „Erschossene“ würde auf die Erde gedrückt und müsse liegen bleiben, beschreibt die Schulleiterin.
Die Leiter der beiden städtischen Grundschulen reagierten mit Elternbriefen und intensiven Gesprächen mit den Schülern. An der Schule An der Bergkette kommt der zweifelhafte Trend erst langsam an, wie der kommissarische Rektor Daniel Nowak berichtet.
Dennoch ist diese Entwicklung mehr als besorgniserregend. Alleine in einem Spiel sterben in der Serie 255 Teilnehmer. Sie sind Nummern, verschwinden einfach, als würde ein Menschenleben nichts wert sein. Ethik spielt in diesem Spiel keine Rolle. Sozialpädagogen in ganz Deutschland sind besorgt ob des Einflusses des Gesehenen auf die Entwicklung der Kinder.
Auch in den sozialen Medien wird “Squid Game” kontrovers diskutiert. Manch einer sieht die Verantwortung bei Netflix, Kinder und Jugendliche davor zu schützen. Andere wiederum sehen die Eltern in der Pflicht - unter anderem zu verhindern, dass der eigene Nachwuchs an solche Bilder kommt.
In meiner Jugend wurden die Liedtexte mancher Rapper von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien auf den Index gesetzt - also verboten. Das erfolgte mit Blick auf menschenverachtende Textpassagen sicherlich zurecht. Doch fragt man sich, wo besagte Prüfstelle heutzutage ist. Immerhin ist Gesehenes sicherlich einprägsamer in der Psyche eines Kindes als Gesungenes.
Auf der Internetseite der Bundeszentrale für Kinder- und Jugendmedienschutz (BzKJ) heißt es dazu Anfang November: “Zum Schutz von Kindern und Jugendlichen und zur Orientierung der Eltern sieht das im Mai novellierte Jugendschutzgesetz vor, dass auch Online-Streaming-Anbieter Filme mit einem deutlich wahrnehmbaren Alterskennzeichen versehen müssen. (…) Eltern, Fachkräften sowie Kindern und Jugendlichen selbst soll so eine verlässliche Orientierung ermöglicht werden. Anerkennungs- und Vergabeverfahren nach den neuen gesetzlichen Regelungen werden unter den zuständigen Akteuren derzeit abgestimmt. Die Bundeszentrale für Kinder- und Jugendmedienschutz (BzKJ) ist hierüber im engen Austausch mit den Jugendministerien der Länder, der Kommission für Jugendmedienschutz und den Selbstkontrolleinrichtungen.”
Bleibt zu hoffen, dass es dazu bald eine Regelung gibt, die zumindest den Zugang zu dieser Serie erschwert. Eltern und Lehrer sollten bis dahin weiterhin ihre Schützlinge gut beobachten, um im Zweifel das Gespräch zu suchen.
Bange Blicke richten sich in Schaumburg in diesen Tagen auch auf den dramatisch steigenden Inzidenzwert. So ist es nur folgerichtig, dass die Verwaltung in Erwägung zieht - ähnlich wie die Region Hannover - auch unabhängig von der Inzidenz und der Hospitalisierungsrate die 2-G-Regel einzuführen. Es muss im Sinne aller Bürger sein, das Infektionsgeschehen so gering wie möglich zu halten.
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SN-Leserin Jessica Hochmuth hat ihr Pferd vor dem schönen Sonnenuntergangs-Panorama fotografiert.
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